Klein, aber oho! Unsere Ausstellungsempfehlungen im März

Zum 500 Todestag veranstaltet der Louvre die umfassendste Da-Vinci-Show, das Frankfurter Städel eröffnet zeitgleich mit seiner Van-Gogh-Ausstellung „die bis dato größte und aufwendigste Präsentation in seiner Geschichte“ und die Bauhaus Institutionen in Berlin, Dessau und Weimar eröffnen das 100. Jubiläumsjahr mit drei Großausstellungen „mit bislang nie gezeigten Sammlungsschätzen“.

Wir schließen uns dem Superlativismus an und präsentieren euch jeden Monat frisch und unverbraucht die besten Geheimtipps in der Kunst- und Kulturlandschaft, die man beim Wettbuhlen der großen Museen glatt übersehen könnte. Ganz nach dem Motto: klein, aber oho!


Zwischen Schein und Sein – Modegrafik in der DDR zwischen 1960 – 1989
Reinbeckhallen
13. Januar – 31. März 2019 | Donnerstag und Freitag 16 – 20 Uhr | Samstag, Sonntag und feiertags 11 – 20 Uhr |5 € / 3 € / freitags Eintritt frei

Die Ausstellung zeigt anhand sorgsam ausgewählter Originalzeichnungen die Entwicklung der Modegrafik in der DDR bezugnehmend auf ihre gesellschaftlichen und produktiven Rahmenbedingungen sowie die Vielfältigkeit von Handschriften der Modedesigner*innen. Ein großer Teil von ihnen wurde in Berlin an der Fachschule für Bekleidung oder der Kunsthochschule Weißensee ausgebildet und war später im Modeinstitut der DDR, bei der Zeitschrift Sibylle oder im VHB Exquisit tätig.


Überflogenes Weiß (IV) | Corinne Laroche: Point(s) de Hasard. (Keine) Punkte des Zufalls
Hegenbarth Sammlung Berlin
23. Januar – 12. April 2019 | Dienstag – Freitag | 12 – 16 Uhr und an jedem 3. Sonntag im Monat | 11—14 Uhr | Eintritt frei | Zugang barrierefrei

Der Zeichenstil der in Paris lebenden Künstlerin Corinne Laroche (*1957) zeichnet sich durch mit Filzstiften auf Löschpapier gesetzte Punkte oder mit waagererchten und senkrechten Linien erzeugte Gitterstrukturen aus, mit denen sie den Bildraum ausdehnt. Das Papier speichert den auf ein Minimum reduzierten zeichnerischen Vorgang, der für Laroche eine spirituelle Praxis darstellt und bildet seine Zeit ab. Neben dem Faktor Zeit interessiert sich die Künstlerin für das Verhältnis von Leere und Fülle und steht damit in Verbindung zu ostasiatischen Bildauffassungen.


Helmut Krüger Porzellan-Manufaktur (Moabit 1954 – 1971)
Keramik-Museum
2. Februar – 20. Mai 2019 | Fr, Sa, So, Mo 13–17 Uhr | Eintritt 4€ / 2€

Mit rund 100 Exponaten aus den 1950er und 1960er Jahren wird das Schaffen einer oft vergessenen Berliner Manufaktur aus Moabit (1954 – 1971) beleuchtet. Farben, Formen, Techniken und was das Ganze mit der wohlbekannten „Barbie-Puppe“ zu tun hat: all dies und noch mehr bietet die neue Ausstellung des Keramik-Museums-Berlin.


Anett Stuth. Tiefenwirkung. Fotografie
Kommunale Galerie Berlin
13. März – 21. April 2019 | Dienstag – Freitag 10 – 17 Uhr | Sonntag 11 – 17 Uhr | Eintritt frei
Vernissage: Dienstag, 12. Februar, 19:30 Uhr

In ihrer Fotografie mischt Anett Stuth verschiedene technische Ansätze der Fotografie und verbindet sie mit Themen der Populärkultur und Kunstgeschichte. Hinter ihren Bildern verbergen sich universelle Fragestellungen nach Raum, Zeit und Bild.


Global National. Kunst zum Rechtpopulismus.
Haus am Lützowplatz
21. März – 26. Mai 2019 | Dienstag – Sonntag | 11 – 18 Uhr | Eintritt frei
Vernissage: Mittwoch, 20. März | 19 Uhr

Die Ausstellung beschäftigt sich mit dem aktuellen, globalen Wiederaufleben rechtsextremistischer Tendenzen und ihren Folgen. Mit ihrer Kunst möchten zwölf Künstler*innen verschiedener Nationalitäten das Thema analytisch angehen, Denkanstöße bieten und sensibilisieren.


Genau so und anders. Christina Paetsch.
Galerie im Tempelhof Museum
28. März – 12. Juni 2019 | Montag – Donnerstag 10 – 18 Uhr | Freitag 10 – 14 Uhr | Sonntag 11 – 15 Uhr | Eintritt frei
Vernissage: Mittwoch, 27. März | 19 Uhr

Mit ihren Fotografien, Videos und Installationen hinterfragt Künstlerin Christina Paetsch Konsumverhalten und Schönheitsideale unserer Gesellschaft und zeigt uns durch ihre Stillleben, dass die Dinge nicht immer so sind wie sie uns zunächst erscheinen.


Nach dem Mauerfall | Daniel Biskup. Fotografien 1990 – 1995
Museum in der Kulturbrauerei
14. Februar  – 25. August 2019 | Dienstag – Sonntag und Feiertag
10 – 18 Uhr | Donnerstag 10 – 20 Uhr | Eintritt frei

Zwischen 1990 und 1995 dokumentiert der Bonner Fotograf Daniel Biskup (*1962), der heute zu den bedeutendsten deutschen Fotojournalisten und Dokumentarfotografen gehört, das Stimmungsbild der ersten Jahre nach dem Fall der Mauer im Osten. In der Ausstellung sind bisher unveröffentlichte Bilder zu sehen, die Einblicke in die spannende Zeit gesellschaftlicher, politischer und kultureller Transformation gewähren.


Titelbild: „Lost“ von Stefanie Bühler, Galerie am Saalbau, Neuköllner Kunstpreis 2019
Foto: Ida Rees

Wir wären so gerne Helden gewesen

von Ida Rees

Die normalerweise strahlend weißen Wände sind gesäumt von einem dunklen Vorhang. Die Luft ist warm, die Stimmung nahezu gemütlich. Unweit des S+U Bahnhofes Pankow, in der 150 m² großen Jugendstilwohnung, ist es – passend zum Winter – gemütlich geworden. Für ein paar Wochen hat sich die Galerie Pankow in ein Kino verwandelt. Die Tatsache, dass eine Galerie zum Kino wird und welchen nutzen sie davon haben kann, bedarf einer kurzen Erklärung.

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„Bestandsaufnahme Gurlitt“: Die Büchse der Pandora

Text und Bild von Magdalena Lösch

Während der Chef des Verfassungsschutzes aufgrund seines Fehlverhaltens, seiner politischen Befangenheit und seiner Falschaussagen vor dem deutschen Parlament zunächst zum Staatssekretär befördert und dann doch nur zum Sonderbeauftragten im Bundesinnenministerium ernannt wurde, eröffnete im Martin Gropius Bau die dritte und letzte Station der Ausstellung „Bestandsaufnahme Gurlitt“, die den Schwabinger Kunstfund erstmalig in Berlin zeigt. Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Ziemlich viel. Denn während sich die Fälle zu häufen scheinen, in denen unabhängig arbeitende Institutionen plötzlich politisch agieren, Fälle, die den Verdacht nähren, dass einzelne Behörden von höchster Stelle übergangen oder unter Druck gesetzt werden, entwickelt sich die Causa Gurlitt still und heimlich hinter den Kulissen der sauberen Museumsarchitektur zu eben einem dieser Politthriller.

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