Sehenswertes! Unsere Ausstellungsempfehlungen nach dem Lockdown

Endlich ist es wieder soweit! Nach langen Monaten der Einöde die allenfalls von blaulicht-stichigem Kunstkonsum per Mausklick Abwechslung fanden, öffnen Ausstellungshäuser bundesweit ihre Pforten und empfangen Kunstinteressierte in ihren wahrhaftigen Räumlichkeiten.
Wen es dieser Tage eher nach draußen zieht, der kann Kunst an der frischen Luft genießen.
Ob in Berlin, Hamburg, Köln oder München, hier sind unsere Favoriten:

Berlin
DER UNBEKANNTE POLITISCHE GEFANGENE
Ein internationaler Skulpturenwettbewerb zu Zeiten des Kalten Krieges
30. Oktober 2020 – 20. Juni 2021 | Kunsthaus Dahlem |
Studierende deutscher Hochschulen frei
Ein 1952 ausgelobter Kunstwettbewerb gerät in Kollision mit den politischen Mächtes des Kalten Krieges. Das Denkmal “Der politische Gefangene” wurde nie realisiert. Im Kunsthaus Dahlem wird dieser Wettbewerb wiederbelebt: Kunst im öffentlichen Raum in nervösen Zeiten und was sich daraus weltpolitisch lesen lässt.

(re)connecting.earth. Art in Dialogue with Urban Nature
Kunst im öffentlichen Raum
10. Juni – 25. September 2021 | Kurt-Kurt & Gartenverein Habsburg Gaußstraße 

Internationale Künstler:innen, die sich mit Themen der Ökologie auseinandersetzen, haben Anleitungen zur Realisierung von Kunstwerken entwickelt, die zur direkten Interaktion mit den im Stadtraum lebenden Pflanzen und Tierarten anregen. Die Ausstellung findet nicht nur im Kunstprojektraum Kurt-Kurt statt, sondern ist in Schrebergärten angesiedelt und erstreckt sich zudem über in Kreuzberg verteilte Plakate.

Kirchenbaukunst in Charlottenburg – die Evangelische Gustav-Adolf-Kirchengemeinde, erbaut vom Architekten Otto Bartning 
Kunst & Architektur im öffentlichen Raum | Herschelstr. 14, 10589 Berlin | Eintritt frei

Mit der Gustav-Adolf-Kirche kreiert der Architekt Otto Bartning sein Meisterwerk – eine Ikone der Neuen Sachlichkeit mit Anklänge an den Expressionismus. Die seit 1924 geplante und 1932-34 mit Gemeinde- und Schwesternhaus von Otto Bartning errichtete Kirche ist eines der letzten Zeugnisse dieser Bautradition. Die Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und 1950-60 vereinfacht wieder aufgebaut. Der Architekt verbindet Funktionalismus mit Wärme, indem er Licht und Raum auf geniale Weise gestaltet. 

ELI CORTIÑAS I Walls Have Feelings
28. März – 25. Juli 2021 I KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst | Ermäßigt 3 Euro

Eli Cortiñas (*1979 in Las Palmas, Gran Canaria) verwendet in ihren Videoarbeiten Mitschnitte aus Filmen, YouTube-Videos, Werbung, Animationen und Bildarchiven, das sie vervielfacht, rhythmisiert und neu vertont. In dem bildgewaltigen Video-Essay Walls Have Feelings (2019) befasst sie sich unter anderem mit den Konzepten von Arbeit und Wertschöpfung. Cortiñas entwirft ein dystopisches Bild unserer Gegenwart, das historische, politische und ästhetische Aspekte miteinander verknüpft. Dabei befragt die Künstlerin Architektur als Erscheinungsform und Instrument politischer Macht sowie die Rolle vermeintlich unschuldiger Objekte und Interieurs in ihrer Funktion als stumme Zeugen, Bewahrer und Verstärker von Macht.

Braunschweig
DOUBLE DIALOGUES. Ute Behrend I Ute Mahler – Käthe Buchler I Julia Margaret Cameron
12. Juni – 22. August 2021 I Museum für Photographie | Ermäßigung für Studierende 

Dokumentarische Bildsprache trifft auf poetische Parallelwelten: Fotografien und Videos von vier Fotografinnen des 19. und 20. Jahrhunderts stehen sich in dieser Ausstellung gegenüber. Themen des Dialogs: Identität von Kindern und Jugendlichen, hinterfragte Rollenbilder und das Verhältnis zur Natur. 

Hamburg
SPECHTE AM MEISENKNÖDEL
28. März – 12. September 2021 | Ernst Barlach Haus | Studierende der Kunst­geschichte frei / ermäßigt 5€

Wer den Meisenknödel dahin gehängt hat, weiß man nicht. Die bildhauenden Spechte stammen jedenfalls aus der Meister:innenklasse von Elisabeth Wagner von der Muthesius Kunsthochschule Kiel: “Zwischen Aquarellmalerei und Zementskulptur, Audiotapes und Zimmerpflanzen steckt der Parcours ein weites Feld heutiger Bildhauerei ab: ideenreich, überraschend und gewitzt, materialbetont und mit Sinn für Übersinnliches – Kontaktaufnahmen mit Barlach nicht ausgeschlossen!”

Köln und Umgebung
Friedrich Seidenstücker – Leben in der Stadt
Fotografien der 1920er bis 1940er Jahre
Mai bis August 2021 | Käthe Kollwitz Museum Köln

Friedrich Seidenstücker (1882–1966) zählt zu den bedeutenden Chronisten des Alltagslebens im Berlin der Weimarer Republik. Seine atmosphärischen Fotografien, meist entstanden auf seinen Streifzügen durch die Stadt, erzählen von scheinbar beiläufigen Ereignissen und Begebenheiten: vom Sonntagsvergnügen und vom Arbeitsalltag, von Kinderspielen auf der Straße und vom Treiben auf Bahnhöfen und im Zoo. Seidenstücker zeigt, häufig mit humoristischem Blick, die Menschen und das Leben in der Metropole. Seine Aufnahmen machen zugleich die Härten der Großstadtexistenz sichtbar und lassen im Hintergrund immer wieder auch die Gegensätze der sozialen Realität in den Zwischenkriegsjahren durchscheinen.

Julian Schnabel – On the Day Cy Died
16. Mai – Ende 2021 I Böhm Chapel in Hürth-Kalscheuren | Festpreis 15 €

Lass mal in die Kirche im Dorf – es lohnt sich! Früher St. Ursula, heute die Böhm Chapel, ist eine ehemalige Pfarrkirche, die von dem Architekten und Bildhauer Gottfried Böhm Mitte der 1950er-Jahre errichtet wurde. Zwei Ausstellungen pro Jahr bietet Galerist Rafael Jablonka an diesem außergewöhnlichen Kunstort an. Gekonnt installiert und mit der Umgebung verbunden, präsentiert Julian Schnabel (* 1951 New York City) fünf monumentale Arbeiten, die er in kreuzförmigen und rechteckigen Formaten umsetzte. Die Werke sind dem Maler Cy Twombly (1928–2011) gewidmet, der vor fast 10 Jahren in Rom verstarb. Beide Künstler verband über viele Jahre eine tiefe Freundschaft.

Leipzig
STÖRENFRIEDE. KUNST UND PROTEST UND DAS ENDE DER DDR
wieder geöffnet ab 1. Juni 2021 | Deutsches Buch- und Schriftmuseum | Eintritt frei 

Die Ausstellung nimmt den 30. Jahrestag der Proteste im Herbst 1989 zum Anlass, die kreative Vielfalt und Lust am Experiment zu zeigen, aber auch die anmaßenden und zerstörerischen Übergriffe der Staatssicherheit auf die Kunstszene.
Einen Schwerpunkt der Ausstellung bilden Künstlerzeitschriften aus dem Bestand des Museums, die als „Samisdat“ im Selbstverlag jenseits der Zensurwege der DDR als Kleinstauflagen gestaltet und verteilt wurden. 

Düsseldorf
Journey Through A Body
Kate Cooper, Luki von der Gracht, Christina Quarles, Nicole Ruggiero, Tschabalala Self, Cajsa von Zeipel
29. Mai – 1. August 2021 | Kunsthalle Düsseldorf | ermäßigt 3€

Die Ausstellung Journey Through A Body untersucht Körperwahrnehmungen und -verständnisse im Kontext von Geschlechtsidentitäten und Selbstidentifikation. In den Werken von sechs jungen, aus diversen und internationalen Perspektiven auf den menschlichen Körper und seine Identitätsfragen schauenden, Künstler:innen werden so, auf sehr verschiedene Weise und in vielfältigen Medien, spannende Fragestellungen zu Gender- und Identitätskonzepten diskutiert.
Die Ausstellung hat ein tolles Begleitprogramm, zum Beispiel ein Workshop mit dem queer-feministische Initiative “And She Was Like: BÄM!”.
Eine Anmeldung zu allen Terminen vom Begleitprogramm ist erforderlich unter:
bildung@kunsthalle-duesseldorf.de

München
Cyrill Lachauer. I am not sea, I am not land 
23. Oktober – 12. September 2021 I Sammlung Goetz im Haus der Kunst | Studierende 5€

Im ehemaligen Luftschutzkeller des neoklassizistischen Monuments, dessen Formensprache stets in der Kritik steht, findet erstmals eine Einzelausstellung statt. Der Künstler Cyrill Lachauer (*1979 Rosenheim / Bayern) präsentiert ein Auftragswerk, das er als non-lineare Kreation, als Erzählung ohne Anfang und Ende bezeichnet. Die Aufteilung der Ausstellungsräume soll dabei der Aktivierung zwischen den einzelnen Arbeiten dienen. Zu den utopischen Räumen aus seinem letzten Film „Dodging Raindrops – A Seperate Reality“ zeigt er nun als Weiterentwicklung unterschiedliche Installationen. Ihre Inhalte zeigen Lachauers Auseinandersetzung mit der Idee vom Land und dessen verschiedenen Bedeutungsebenen, die er auf langen Reisen entwickelt und beobachtet hat.

Foto: © Ida Rees, Blick auf die Museumsinsel, Berlin 2019

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