Kunst zum Leihen – Berlins Artotheken

von Nathalie Ladermann

Wie wäre es, sich jetzt diesen Warhol zuhause aufzuhängen? Vielleicht kennt Ihr diesen Gedankengang vom letzten Museumsbesuch. Der nächste Gedanke war dann wohlmöglich einer, der in Richtung eures Kontostandes ging und mit dem wiederum nächsten hat man diese Überlegung schnell wieder abgelegt – für’s Erste. Solltet Ihr euch an so eine Situation erinnern, Ihr wärt nicht alleine. Ich gebe zu, mich selbst schon öfter dabei erwischt zu haben. Preise für zeitgenössische Kunst bewegen sich nun mal in schwindelerregenden Höhen – mit eher sehr kleinem Budget ist da leider nicht viel zu machen. Was also tun, als Studierende?

Ihr müsst ja nicht gleich kaufen – Kunst kann man leihen.

Und zwar in Berlins Artotheken. Das Prinzip einer Artothek ist einfach erklärt: Sie ist wie eine Bibliothek, nur eben für Kunst. Die größeren verleihen um die 4000-6000 Arbeiten, darunter Gemälde, Plastiken, (Druck-)Graphiken oder Fotografie, von meist ortsansässigen Künstler*Innen. So werden nicht nur junge Künstler*Innen unterstützt, sondern auch eine größere Zugänglichkeit für deren Werke erreicht. Leihen kann jeder Berliner, in den meisten Artotheken ab 16 Jahren.

Wie funktioniert das genau?

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In den Räumlichkeiten der Artothek können die derzeit verfügbaren Werke besichtigt werden. Foto: Nathalie Ladermann

Die Artothek im Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.)

Zur Sammlung der Artothek des n.b.k. gehören mehr als 4000 Werke. Jedes davon ist online einsehbar. Alle verfügbaren Arbeiten können zusätzlich in den Räumen des n.b.k. besichtigt werden. Ist ein Werk gefunden, müsst Ihr euch ausweisen, ein Ausleih-Formular ausfüllen und den Leihbedingungen zustimmen. Studierende zahlen hier eine Versicherungsgebühr von 1,50€ für drei Monate – das Leihen selbst ist kostenfrei. Genaue Angaben und Vorgaben dazu findet Ihr Online. Entleihungen zählt die Artothek bis zu 11.000 im Jahr und unter den Leihenden sind Privatpersonen genauso wie Arztpraxen oder Anwalts-Kanzleien.

Es kommt schon mal dazu, dass sich jemand zu sehr an ein Werk gewöhnt und sich nur schwer davon trennen kann – immerhin wohnt man bis zu einem Jahr mit dem Werk zusammen.

-Julia Eckert, Leiterin der Artothek

Neben dem Leihangebot gibt es hier die Möglichkeit an verschiedenen Vermittlungsangeboten teilzunehmen. Unter dem #nbkartothekinsights stellt die Artothek von Zeit zu Zeit ein Werk der Sammlung auf Facebook vor und bespricht besondere Aspekte. Außerdem gibt es Veranstaltungen der „Artothek mobil“ zum Beispiel für Kindergärten oder Krankenhäuser. In der Zusammenarbeit mit der Artothek der Zentral- und Landesbibliothek soll das Leih- und Vermittlungs-Potenzial zukünftig noch erweitert werden.

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Links: Künstlereditionen des n.b.k.; Rechts: Werke aus der Sammlung der Artothek. Foto: Nathalie Ladermann

Künstler*Innen leihen hier übrigens auch, erzählt mir Julia Eckert. Sie leitet die Artothek des n.b.k. und zeigt mir die derzeit verfügbaren Werke in den Räumen der Artothek. Dazu zählen vor allem Gemälde, Collagen und Graphiken, aber auch kleinere Plastiken, alles in Formaten bis zu zwei Metern in Länge und Breite – ab da wird es schwierig mit dem Transport. Probleme mit Rückgaben oder Beschädigungen gibt es eher selten.

Wie kommt ein Werk in die Sammlung?

Über die Anschaffung von Werken entscheidet eine eigene Ankaufs-Kommission. Die wird gewählt und besteht sowohl aus internen Personen des n.b.k. als auch aus außenstehenden Personen. Verkauft werden die Werke der Artothek grundsätzlich nicht – Es gäbe höchstens die Möglichkeit, besondere Editionen, also andere Werke, von ausstellenden Künstler*Innen des n.b.k. zu erwerben. Da Aussortieren ebenfalls keine Option ist, gibt es noch Werke aus der Anfangszeit der Artothek und für die hat es teilweise eine besondere Wertsteigerung gegeben. Dazu zählen zum Beispiel Werke von Picasso oder Wolf Vostell und auch insgesamt finden sich viele bekannte Namen in der Sammlung – Rosemarie Trockel, James Rosenquist, Andy Warhol…

 

Graphothek Raum
Von Dalí bis Picasso: In der Sammlung der Graphothek in Reinickendorf kann man um die 6000 Kunstwerke leihen. Foto: Graphothek Berlin

Die Graphothek Berlin

In diesem Jahr feiert die Graphothek bereits ihr 50. Jubiläum. In diesen 50 Jahren haben sich rund 6000 Werke von mehr als 1800 Künstler*Innen angesammelt. Verliehen werden davon um die 1000 im Jahr. Anders als in der Artothek des n.b.k. besteht die Sammlung der Graphothek fast ausschließlich aus Druckgraphiken. Neuerdings wird sie aber mehr und mehr durch Aquarelle und Malerei ergänzt. Dabei sind viele Künstler*Innen, die man eher der Klassischen Moderne zuschreiben – Leger, Chagall oder Kandinsky zum Beispiel – aber auch Zeitgenoss*Innen finden sich in der langen Liste. In regelmäßigen Abständen präsentiert die Graphothek Teile der Sammlung in Ausstellungen im Fontane-Haus in Reinickendorf.

Viele fragen, ob die Werke wirklich echt sind, wenn sie mal einen Dalí in der Hand haben.

-Ricarda Vinzing, Leiterin der Graphothek

War leihen hier zu Beginn noch kostenlos, zahlt Ihr heute 25€, um drei Werke ein Jahr lang auszuleihen. Für die Auswahl eines Werkes lohnt sich der Besuch, denn nur ein Teil der Sammlung ist online einsehbar. Auch hier ist der Verkauf von Werken kein Thema. Allerdings werden Werke schon einmal aus dem Leihverkehr genommen, zum Beispiel um sie in besonderen Ausstellungen einem größeren Publikum zugänglich zu machen, meint die Leiterin der Graphothek Ricarda Vinzing und verweist auf einige Werke von Hannah Höch.

Berlins Artotheken repräsentieren mit ihren Sammlungen eine Vielzahl moderner bis zeitgenössischer Künstler*Innen. Der Warhol, Dalí oder Picasso vom Anfang ist also vielleicht gar nicht so weit von euren Wohnzimmern entfernt.

Anmerkungen:

Eine Liste mit Links zu allen Artotheken Berlins findet Ihr auf der Website der Zentral- und Landes-Bibliothek.

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