Maness, ein junger mexikanischer Künstler in Berlin

Von Antonia Stausberg, M.A.

Andrés Mora Balzaretti, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Maness, wurde 1988 in Mexiko-Stadt geboren. Mit seinen interdisziplinären Arbeiten entdeckt und übersetzt er erlebtes in Klang, Sprache und Kunstwerke.

Mit einem Bachelor im Fach Bildende Künste und Graphik absolviert an der renommierten Escuela Nacional de Pintura y Escultura y Grabado, studierte Maness parallel klassische Gitarre und Oper an der Escuela Superior de Música. Berlin übte schon immer eine große Faszination auf den jungen Künstler aus. Mit Wurzeln in der Schweiz, Spanien sowie in Mexiko – sein Vater war Filmdirektor und seine Mutter Filmproduzentin – wuchs er stets in einem internationalen Umfeld auf.

Es war der mexikanische Künstler Damián Ortega, der für seine erstaunlichen Skulpturen und     Installationen aus Massenproduktion und mexikanischer Volkskultur bekannt ist und der Dank eines Stipendiums des Deutsch Akademischen Austauschdienst (DAAD) in Berlin arbeiten konnte, der Maness mit seinen Erzählungen und Eindrücken von Berlin, den künstlerischen Möglichkeiten, die diese Großstadt bot, aber auch der Schroffheit, die sie umgibt, davon überzeugte, sein Glück hier zu versuchen. Im August 2016 zog Maness nach Berlin. 

Bekannt für seine ausgeprägte Musikszene, gab die Stadt dem Künstler sofort neue Impulse für seine künstlerische Entwicklung. Maness lernte Künstler wie Carsten Nicolai kennen, der mit seiner multidisziplinären Arbeit Musik und Kunst miteinander verband. Was dann folgte war Mut zu Neuem und ein wenig Glück – als der mexikanische und international anerkannte Künstler Gabriel Kuri, der unter anderem von der Berliner Galerie Esther Schipper vertreten wird, Maness anbot, ihm bei der Produktion seiner Arbeiten zu helfen – gelang der erste Einstieg in die kommerzielle Kunstwelt.

Da Maness nicht über ausreichende finanzielle Mittel für ein Masterstudium verfügte und arbeiten musste, bot Berlin mit seiner kulturellen Landschaft und Fülle an Galerien wie Museen, die einzigartige Gelegenheit eine künstlerische Ausbildung außerhalb einer Institution, wie einer Universität oder Kunstakademie, zu erwerben: “Aus dem Grund habe ich mir sozusagen einen eigenen Master zusammengestellt, indem ich auswählte mit welchen Künstler:-innen und welchen Galerien ich zusammenarbeitete, mit welcher Kunst ich mich umgab und welche Musik ich komponierte.” Wie er mir in seinem Berliner Studio erklärte, war er “am richtigen Ort zur richtigen Zeit und mit einer offenen Einstellung.”

Es sei ein Prozess gewesen, indem er viel gelernt habe, meint er heute. Auch von einer gewissen Ausbeutung junger Kräfte in der Kunstwelt – viele unbezahlte Überstunden und ein geringes Gehalt. Doch Maness gab nicht auf und arbeitete für unterschiedliche renommierte Galerien, war auf internationalen Messen tätig, wie der Art Basel, der Art Cologne oder der Zona Maco in Mexiko. Mit dem Gelernten beschloss er jedoch nach vier Jahren, sich intensiv seiner eigenen Kunst in Verbindung zur Musikproduktion zu widmen.

Maness, Currucucú, 2019, Detail, © Alina Koschnike

Sein Werk Currucucú besteht aus eintausend Säckchen, die in Zement gegossen wurden. Sie bilden die dichotomische Struktur einer Doppelspirale, die sich in der Mitte trifft und eine Taubenfeder ausbalanciert. Unter Berücksichtigung des Unterschieds in Größe und Farbe stellen die Säckchen gedrückte Klaviertasten dar, die das mexikanische Volkslied “Cucurrucucú Paloma” in eine physische Installation übersetzt. Auf der einen Seite der Spirale ist die Basslinie des Klaviers und auf der anderen Seite die Vokalmelodie des Volkslieds dargestellt, wodurch das Werk zugleich auch zu einem haptischen Objekt wird.

Das berühmte Lied wurde 1954 von Tomás Méndez im “Huapango-Stil” geschrieben und sein Titel ist eine onomatopoetische Anspielung auf den charakteristischen Ruf der Trauertaube, der im Refrain hergerufen wird. Der Text spielt auf Liebeskummer und Trauer an, wodurch das Lied im Laufe der Jahre in mehreren Filmen adaptiert wurde und internationale Popularität erlangte. 

Currucucú zeigt gleichzeitig auch Einflüsse der Bauhaus Architektur auf, die sich unter anderem in der Verwendung von Beton und der geometrischen Form der Spirale äußern. Nicht nur die Besichtigung der weltbekannten Lehr-und Meisterhäuser in Dessau-Roßlau waren ausschlaggebende Inspirationsquellen für die Arbeit Cucurrucucú. Auch die Art und Weise in der das Werk berühmte geometrische Formen und Muster von Anni (1899-1994) und Josef Albers  (1888-1976) aufnimmt, inspirierte diese Installation. 

Maness, Currucucú, 2019, Draufsicht, © Alina Koschnike

Currucucú wurde 2019 in einer Einzelausstellung in der “Gesellschaft der Freunde junger Kunst in Baden-Baden” ausgestellt. Besucher/innen konnten während und nach der Ausstellung die Kissen einzeln kaufen und mit dieser Aktion das Werk Note für Note dekonstruieren, bis es verschwand oder ganz verstummte.   

Maness, der sich von den konventionellen Strukturen der Sprache entfernt, schöpft aus der Konversation zwischen auditiver Bildsprache, Identität und Erzählung. Er ist ein Künstler, der sich mit unterschiedlichsten Elementen wie Rhythmus, biologisch abbaubaren Materialien, wiederverwendbaren Objekten und Komposition beschäftigt. Man könnte auch meinen, es sei die Magie der Materie und ein besonderer Blick für das Spontane und Alltägliche. Es ist das Interesse des Künstlers an der Erforschung von Fragen statt Schlussfolgerungen und das Potenzial vielfältiger Interpretationen, wie Bedeutungen, die in seinen Arbeiten zum Ausdruck kommen.

Der Künstler lebt und arbeitet nach wie vor in Berlin.

Mehr Information finden Sie unter: www.studiomaness.com

Titelbild: Maness, Currucucú, 2019 © Alina Koschnike

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