Kunst an Universitäten I: Ein Würfel sprach zu sich…

von IDA REES

Fünf fingerartige, dynamisch geschwungene Rohre umfassen die Würfelform.

„Ein Würfel sprach zu sich: Ich bin

mir selbst nicht völlig zum Gewinn!“

Ein in sich ruhender Würfel, aus seiner unteren liegenden Seite, fünf wachsende Rohrformen.

„Seine sechste Seite sieht statt in die Weite, der Erde ewig dunklen Schoß.“

Deplatziert, ohne Raumwirken, bemoost, beziehungslos, beschmutzt, manchmal plakertiert steht er zwischen Straße und Parkplatz.

„Der Würfel, innerlichst beleidigt, hat sich nicht weiter drauf verteidigt.“

Ein Würfel bedauert, dass er mit seiner sechsten Seite stets nur den dunklen Schoß der Erde sehen kann. In tragisches Selbstmitleid versunken, merkt er gar nicht, wie sein Monolog über diesen Zustand, die unter ihm ruhende Erde beleidigt. Auch sie ist durch seine Existenz verändert, könnte er sich wegbewegen, so würde sie an jener Stelle strahlen wie ein Karfunkel.  Dieses wunderbare Gedicht von Christian Morgenstern wurde ein wenig auseinander gerissen. So, wie auch Brigitte Matschinsky-Denninghoffs Skulptur „Der große Würfel“ aus dem Jahr 1970, aus ihrem Kontext gesetzt wurde. Selbst verteidigen kann sie sich nicht. Deshalb nun hier eine aufklärende Schrift zu diesem Raumobjekt und was es damit auf sich hat.

„Kunst an Universitäten I: Ein Würfel sprach zu sich…“ weiterlesen

In Erasmus we trust.

von Imke Kappernagel

Pisas Straßen sind voller Glitzer. Während ich und 200 andere Erasmus-Studierende gerade ankommen, laufen andere mit Lorbeerkränzen auf dem Kopf und ihrer Familie im Schlepptau wie siegreiche Kämpfer des letzten Dichterwettstreits durch die Stadt. Die Absolvent*innen der verschiedenen Unis in Pisa haben dann meist gerade ihre Abschlussarbeit verteidigt, sind mit selbiger in der Hand mit Konfetti beworfen worden und machen sich jetzt auf dem Weg zum schiefen Turm der Stadt. Diesen, so der Aberglaube, darf man erst betreten, wenn man seinen Abschluss hat – macht man es trotzdem vorher, bleibt man für immer Student*in.

„In Erasmus we trust.“ weiterlesen

GASTHÖRER*INNEN – Verkannt, Vermarktet, Vergesslich

von Imke Kappernagel

In manchen Kulturen setzt man die Alten zum Sterben auf Eisschollen und lässt sie aufs Meer hinaustreiben. In unserer Gesellschaft enden die Kandidaten für diese Prozedur meist als Gasthörer*innen in Kunstgeschichtsvorlesungen. Ok, ich schäme mich schon in der Sekunde nach dem Niederschreiben für diesen Vergleich. Trotzdem sind die immer zu früh erscheinenden Damen und Herren, ausgestattet mit Collegeblock, künstlichem Hüftgelenk und schleimigem Husten, einen genaueren Blick wert.

„GASTHÖRER*INNEN – Verkannt, Vermarktet, Vergesslich“ weiterlesen