Habemus Biennale!

VON MAGDALENA LÖSCH

Venedig
Es ist später Morgen. Das Wasser schimmert rötlich am Anlegesteg des Lidos und taucht Venedig in einen Filter aus dunstfarbenem Licht. Sfumato ala Giorgione. Das brummende Vaporetto hält schwungvoll an der Promenade am Markusplatz und hinterlässt eine nach Diesel stinkende Wolke. Kinder springen auf den alten, geometrisch gemusterten Fliesen des Gehwegs und bunt gekleidete Touristen mit Selfiesticks wimmeln um auffliegende Tauben, während ein schwimmendes Hochhaus sich langsam am Canale Grande vorbeischiebt. Im Hintergrund des Treibens stehen unbeeindruckt der Dogenpalast und Markusdom, die Procuratien und der Campanile: grün-weiße Steinfronten, spitzgiebelige Fenster, bunte Mosaike, schnörkeliger Stuck. 600 Jahre alter Marmor, 600 Jahre Kulturgeschichte. Was für ein surreal, zeitloser Raum.

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“Sächsische Verhältnisse” und Zeit für zivilen Ungehorsam

von IDA REES

Das 19. Jahrhundert gebar die Nationen. Mit dieser Geburt begannen die europäischen Zerwürfnisse. 1871 wurde in Versailles das Deutsche Kaiserreich proklamiert, das war das Ende der Einzelstaaten, aber auch der Beginn der Eliminierung von Vielfalt und der Homogenisierung von Kultur zugunsten des neuen Nationalbewusstseins. In Schulbüchern des 19. Jahrhunderts filterten Historiker*innen Ereignisse, die die Gründung der Nationen legitimierten.   Aus den gewählten Ereignissen entstanden Mythen, Geschichtsschreibung wurde manipuliert und konstruiert*.

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